30.08.2024

Impuls der Woche

Stille im Leben - muss das unbedingt sein?

Stille im Leben – muss das unbedingt sein?

Nächste Woche beginnt ein neuer Meditationskurs in der Kirche St. Joseph. Solche Kurse helfen theoretisches und praktisches Wissen zu erweitern und Erfahrungen zu machen, die neu sind.

Zur Zeit habe ich das Glück, an einem Ausbildungskurs für meditatives Bogenschießen teilnehmen zu können. Ich selber bin neugierig, was Meditation und die Kunst des Bogenschießens miteinander zu tun haben und wie sie zusammen funktionieren. In der Einheit am Wochenende ist mir bewusst geworden, wie eng mein Denken, mein Atem, mein Körper, meine Energie und Kraft und das Lassen- und Loslassenkönnen miteinander verknüpft und ineinander verwoben sind. Alle TeilnehmerInnen staunen, wie unser Körper reagiert und mit gesteuerten oder zufälligen Wahrnehmungen umgeht.

Die Mediation, das in der Stille sein, hilft, dass ich fokussierter und präsenter da bin, hilft mir mit dem Bogen umzugehen, mit mir selbst in Beziehung zu treten.

Ein Ziel der Meditation ist es: mit mir selbst, der eigenen Energie in Berührung zu kommen.

Sofort könnte ich fragen: bin ich das nicht täglich? Passiert das nicht automatisch? – Wer in die Stille geht wird schnell merken, wie weit mein Innerstes, meine Identität, meine Ruhe von mir entfernt sind, von den geschäftigen Dingen des Alltags überlagert sind.

Immer wieder habe ich als Seelsorger mit Suizid oder suizidalen Gedanken zu tun. Nach einem intensiven Gespräch hat sich ein Gedanke verankert, den ich nie vergessen werde: ich kann mich nicht spüren – ich finde den Faden meines Lebens nicht. Das hat mich damals sehr traurig gemacht. Sich zutiefst spüren können ist ein großes Geschenk im Leben und der Weg dahin, ist Arbeit,
Seelenarbeit, und diese Arbeit zahlt sich aus. Allen wünsche ich diese tiefe Erfahrung, dass
wahrhaftiges Leben in mir spürbar wird.

Oft können wir das ohne Anleitung nicht lernen. Macht Euch, machen Sie sich auf den Weg, die Stille zu suchen und gut begleitet zu werden.

Ihr Matthias Boensmann, Pfarrer