Als ich angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, einen Impuls für die Pfarrnachrichten zum Thema Gesundheit zu schreiben, war ich erstaunt und habe, wenn auch nur kurz, etwas gezögert. Womit fängt man da am besten an? Vielleicht erst einmal die Definition der WHO zum Thema Gesundheit rauskramen. Hier heißt es: „Gesundheit ist ein Zustand des vollkommenen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.“ Aha…
Vollkommen? Geht das überhaupt? Aus eigener Kraft?
Wir stehen noch am Anfang des Jahres, von dem wir nicht wissen, was es für uns bereithält. Zum Jahreswechsel haben wir uns traditionell von Herzen allerlei Gutes gewünscht. Meist sind es Glück-Erfolg-Gesundheit- und immer mehr auch Frieden. Häufig angespornt durch verschiedene Medien neigen wir dazu, uns jetzt aber mal wieder mehr auf unsere Gesundheit zu konzentrieren. Mehr Sport, weniger Alkohol, Abnehmen, mehr Work-Life-Balance etc. -die Liste ist sicherlich noch individuell zu ergänzen. Mit unseren guten Vorsätzen für das neue und jetzt aber mal wirklich gesunde Neue Jahr finden wir auch hier wieder schnell über die Medien eine vermeintlich gute Unterstützung: Angebote von Sportkursen (jetzt auch zum Sonderpreis), Ernährungsberatungen, eine lange Liste von möglichen Nahrungsergänzungsmitteln und besonders von Vitaminen, die uns den Weg für eine gute Gesundheit bereiten sollen, und vor allem ein gutes „Gefühl“ vermitteln, jetzt auch wirklich etwas für unsere Gesundheit zu tun.
Als Christen haben wir eine weitere Gelegenheit uns auf die Herausforderungen des neuen Jahres getrost einzulassen: den Blasius-Segen. Wird doch der Legende zufolge berichtet, dass der Hl. Blasius, Bischof seiner Heimatstadt Sebaste in Armenien, zu Zeiten der Christenverfolgung während seiner eigenen Gefangenschaft verschiedene Kranke heilte. So auch einen Jungen, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Auf wundersame Weise gelang es ihm auch ein geraubtes Schwein aus den Fängen eines Wolfes zu befreien und einer armen Frau zurückzubringen. Der hl. Blasius wird seit dem Mittelalter als einer von 14 Nothelfern verehrt und gilt seither insbesondere als Schutzpatron gegen Halskrankheiten und wilde Tiere. Der Brauch des Blasius Segens stützt sich auf diese Legende. Der Segen, der meist mit der Lichtsymbolik der beiden gekreuzten, brennenden Kerzen und der Segensformel verbunden ist, wird nach den Gottesdiensten um den Gedenktag (3. Februar) des hl. Bischofs Blasius verteilt.
Wie so häufig im Leben haben wir also auf jeden Fall eine Wahlmöglichkeit. Wir dürfen die uns geschenkten Fähigkeiten und Ressourcen nutzen. Dabei können wir die unvermeidlichen Herausforderungen des Lebens aktiv und, wenn es gelingt, auch produktiv beeinflussen.
Meine persönliche Wahrnehmung aus meinem beruflichen und privaten Kontext heraus ist: Gesundheit ist relativ. Sie ist abhängig von gesellschaftspolitischen, ökologischen und auch kulturellen Kontexten. Also Kopf hoch. Auch Menschen mit chronischen Krankheiten und Einschränkungen können sich gesund fühlen. Die Definition der WHO ist mehrdimensional und nicht wirklich messbar und der Segen des hl. Blasius vermittelt, dass allein Jesus Christus der Ursprung für das Leben und die Gesundheit ist und darf auch hier nicht als „magisches Heilungsritual durch Menschenhand“ missverstanden werden.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes, gesundes und zufriedenes Jahr 2026.
Ulrike Büchner Geistlich-spirituelles Zentrum St. Clara